Kleine Skulptur, große Ausstrahlung

Die Skulptur ist auf dem Info-Blatt abgebildet. Das Foto machte Anne Gold. Ich habe es meinerseits abfotografiert und hoffe, dass das gestattet ist.

Die Skulptur ist auf dem Info-Blatt abgebildet. Das Foto machte Anne Gold. Ich habe es meinerseits abfotografiert und zeige es mit freundlicher Erlaubnis der Fotografin.

Eine Dreiergruppe ist zur Zeit in der Sparkasse am Aachener Münsterplatz ausgestellt. In den weiten Hallen der Bank, wo man am liebsten Skateboard fahren würde, so ausschweifend ist dort Platz vorhanden, da steht die Skulptur hinter Glas und hat eine Ausstrahlung, eine Aura möchte man sagen, die ist umwerfend.

Das Werk aus der Zeit um 1480 – 1500 ist aus Eichenholz, zeigt Anna, Maria und Jesus wie eine Einheit und ist nur 34 Zentimeter hoch. Normalerweise befindet sich die Arbeit eines unbekannten Bildschnitzers im Suermondt-Ludwig-Museum. Aber jetzt ist sie als Kunstwerk des Monats in der Sparkasse deponiert worden.

Zu sehen ist Maria (in der Mitte) mit ihrem Sohn Jesus und ihrer Mutter Anna. Anna ist, und das finde ich natürlich interessant, mit einem Buch dargestellt. Das Buch ist aufgeschlagen, und es sieht so aus, als sei Anna des Lesens kundig. Ein kluge Frau, eine belesene Frau – so hat man sie sich damals offenbar vorgestellt. Sie war übrigens dreimal verheiratet.

Schön ist auch, wie Anna gerade der Pantoffel vom Fuß gerutscht ist und wie sie mit dem Fuß danach angelt. Anna trägt allerdings ein Kopftuch und ein Tuch am Kinn. Ganz unfroh wirkt das. Anders Maria. Sie trägt Schmuck auf dem Kopf,  man sieht ihren schlanken Hals genau, ihre Haare, und man kann ihren kokett hochgedrückten Busen gut sehen. Auch ihre Beine zeichnen sich ziemlich genau unter dem Kleid ab. Sie hat ihr Kind auf einem Oberschenkel und hält verführerisch Weintrauben in der komisch geknickten Hand.

Von Busen, Hals und Haaren ist bei Anna rein gar nichts zu sehen. Na ja. Das Kind ist ganz und gar langweilig dargestellt. Und die Proportionen sind, wie immer, nicht die eines wenige Monate alten Kleinkindes.

In der Sparkasse am Münsterplatz gibt es zu „Anna selbdritt“ einen langen Aufsatz mit vielen weiteren interessanten Infos. Den kann man sich kostenlos mit nach Hause nehmen. Da steht auch, wie die Skulptur nach Aachen ins Suermondt-Ludwig-Museum gelangt ist. Sie gehörte einmal dem Sammler und Bildschnitzer Richard Moest (1841 – 1906), der landauf, landab die Plastiken des 14. und 15. Jahrhunderts „verschönerte“, also irgendwie veränderte. Dafür war er berühmt. Er nahm ahistorische Eingriffe an der mittelalterlichen Kunst vor. Später wurden alle seine „>Veränderungen“ und „Verschönerungen“ wieder rückgängig gemacht. Tja, auch kein schönes Ergebnis eines langen Arbeitslebens.

Infos über diesen Clown findet ihr hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Moest

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