Kunst, die dir ins Gesicht springt

Titel: "Der Tot ist ein Meister aus Deutschland".

Titel: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“.

Jetzt steht es fest: Über „Zwischen den Tagen“ von Klaus Paier wird im Rat der Stadt (auf Antrag der Grünen, danke Hermann Josef Pilgram) am kommenden Mittwoch, 3. September, gesprochen. Die Sitzung im Rathaus am Markt beginnt um 17 Uhr.

Die Tagesordnung ist lang, mir ist nicht bekannt, ob die Bilder am Anfang, in der Mitte oder am Ende der Sitzung behandelt werden. Wahrscheinlich eher am Anfang.
Für alle, die keine Zeit haben: Ich werde auf jeden Fall einen kleinen Bericht über die Veranstaltung auf einem meiner Blogs bringen. Einen Link dazu veröffentliche ich danach auf allen zur Verfügung stehenden Medien (Twitter, Facebook usw).

Ihr seht oben: eine Arbeit von Klaus Paier, die einst an der Aula Carolina in der Pontstraße die Aachener provozierte. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“, so wurde mir berichtet, wurde zunächst aufgetragen, dann weggeätzt von Mitarbeitern der Stadtverwaltung und dann von Klaus Paier erneut aufgetragen. Klaus war ein Wandmaler, kein Graffiti-Sprayer. Er fertigte zunächst viele Skizzen und Zeichnungen an, wählte vorher umständlich Farben und Formen aus, inspizierte am Tage die Mauer für sein Bild ausführlich, wählte niemals private Gebäude und organisierte Helfer für den Einsatz in der Nacht. 

Er brachte die Kunst zu den Menschen auf die Straße. Und er wollte mit seiner Kunst nicht ins Museum. Genau das hat man ihm wohl übel genommen. Denn: In Aachen und anderswo hat die Kunst ihre Räume.  Museen, Galerien, Foyers . . . dort hat sie sich gefälligst aufzuhalten und den Bürgern nicht auf der Straße in aller Öffentlichkeit auf die Nerven zu gehen. Schon gar nicht mit Kritik an Verhältnissen, die zum Himmel schreien (Stress in der Schule, Eltern-Gewalt gegen Kinder, Krieg und Waffenlieferungen, Hetze bei der Arbeit bis hin zum Burnout usw). Über die Einhegung der Kunst in für sie bestimmte Räume setzte Klaus Paier sich frech hinweg. Das konnte man damals in Aachen nicht hinnehmen.

Paiers Kunst ist uns wichtig, weil es sich um Bilder im öffentlichen Raum handelt, die nicht bestellt und nicht bezahlt werden mussten. Es sind Bilder, die keinem kommerziellen Zweck dienen. 99 Prozent aller Bilder im öffentlichen Raum verfolgen einen kommerziellen Zweck. Frauen sind zu sehen, die in Verzückung geraten, weil sie sich gerade einen Lippenstift, eine Hose oder einen Pullover gekauft haben. Werbebilder wollen uns zum Kaufen animieren, sie belügen uns. Klaus Papiers Bilder lügen nicht, sie rütteln auf, machen uns nachdenklich.

Das oben gezeigte Bild befindet sich auf einer Postkarte, die konnte man vor 30 Jahren ans Rathaus schicken (Aktion vom Klenkes). Auf der Rückseite der Postkarte ist ein Text enthalten. Dort wurde formuliert:

Der Bitte wurde nicht entsprochen. Doch sie richtete sich damals auch an den Falschen. Kurt Malangré war "nur" ehrenamtlicher Oberbürgermeister und hatte kaum etwas zu sagen.

Der Bitte wurde nicht entsprochen. Doch sie richtete sich damals auch an den Falschen. Kurt Malangré war „nur“ ehrenamtlicher Oberbürgermeister und hatte kaum etwas zu sagen.

 

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