Bürgerwehr? Private Straßenstreife? Bürgerstreife? Oder wie?

Vor und nach der Sondersitzung: der Polizeipräsident (r.) gibt Interviews und distanziert sich von den Bürgerstreifen. Oberbürgermeister (l.) Marcel Philipp steht ebenfalls zum Interview bereit.

Vor und nach der Sondersitzung: der Polizeipräsident (l.) gibt Interviews und distanziert sich von den Bürgerstreifen. Oberbürgermeister Marcel Philipp (r.) steht ebenfalls zum Interview bereit.

Hier muss einmal über den Begriff „Bürgerwehr“ nachgedacht werden. Anzumerken ist unbedingt, dass diejenigen, die in Aachen nachts „auf Streife gehen“, sich selbst nicht als Bürgerwehr bezeichnen. Ja, sie lehnen diesen Begriff sogar strikt ab.

So ist der Begriff „Bürgerstreife“ oder einfach „Straßenstreife“ wahrscheinlich besser. Es handelt sich auf jeden Fall um eine Formation, die sich bildet, wenn Menschen den Eindruck haben, sie müssten gegen Kriminalität selbst aktiv werden. Wenn es also in einem Dorf plötzlich jede Nacht Hauseinbrüche gibt, wenn in einer Stadt Banden ihr Unwesen treiben, wenn irgendwo durch Missstände dauernd Kriminelle für Angst und Unsicherheit sorgen, dann nehmen die Leute verständlicherweise ihr Schicksal selbst in die Hand.

Angst kann man eigentlich leicht schüren. Allein schon durch eine übertrieben schreckliche Darstellung des Geschehenen. Und: Man muss sich hüten, die in einer Stadt nun mal vorhandene Kriminalität hochzuspielen. Ein bestimmter Teil der Bevölkerung einer Stadt ist nun mal kriminell. Das wissen wir alle und schützen uns.

Polizei und Justiz können dafür sorgen, dass es für den kriminellen Teil der Bevölkerung keine idealen Bedingungen gibt. Sobald die Polizei aber signalisiert, dass sie mit dieser Aufgabe überfordert ist, gibt es Prozesse, die man bald nicht mehr kontrollieren kann. Deshalb: Die Polizei muss personell gut ausgestattet sein. Das hat gestern in Aachen bei der Sondersitzung Oberbürgermeister Marcel Philipp mehrfach gefordert.

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Eine der grässlichsten „Bürgerwehren“ aller Zeiten ist übrigens die sogenannte ISIS oder IS, die sich gebildet hat, weil im (Rest-)Staat das totale Chaos herrscht. Wenn man jederzeit damit rechnen muss zu sterben, wenn nichts mehr funktioniert, wenn an den Gerichten und bei der Polizei nur noch Korruption und blanke Gewalt herrschen, keine Ordnung mehr, wenn die Familien zerfallen, tausende Menschen auf der Flucht sind, wenn das blanke Chaos herrscht, nur noch Weinen und Todesangst, und man sich auf NICHTS, also wirklich nichts mehr verlassen kann – dann bildet sich etwas.

Dann tritt eine Gruppe auf, die sagt, wir setzen jetzt auf der Stelle und mit aller Gewalt Gesetze durch, die leicht zu verstehen ist. Und zwar Gesetze, die quasi von Gott kommen, damit überhaupt mal wieder etwas gilt und jeder sich benimmt auf eine Weise, die vorhersehbar ist.

Das passiert, wenn ein Staat zusammenbricht und so gut wie gar nichts mehr funktioniert. Wenn Häuser zerbombt werden, Museen geplündert, Schulen geschlossen, Straßen verstopft sind mit fremdem Militär und Flüchtlingen, aus Drohnen auf Menschen geschossen wird und von Rechtssicherheit keine Rede mehr sein kann. Wenn alle pausenlos Todesangst haben. Das ist wichtig: Dass alle Menschen für eine längere Zeit ununterbrochen Todesangst haben. Was dann passiert, sehen wir im Nahen Osten: back to Steinzeit.

Ein Gedanke zu “Bürgerwehr? Private Straßenstreife? Bürgerstreife? Oder wie?

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